PLAY MAS!
Young International Performers' Festival
Play Mas ist ein Begriff aus der Jouvay-Tradition des trinidadischen Carnival. In Anspielung auf die Sklavenbefreiung bedeutet er hier soviel wie: Spiel die Maske, verlasse deine alten Rollen, wehre dich gegen die gesellschaftlichen Zuschreibungen, revoltiere gegen die Ordnung der Herrschenden, indem du in ihre Haut schlüpfst und ihre Räume eroberst und definiere sie neu. Den Teilnehmern des Festivals PLAY MAS ist gemeinsam,, dass sie vom Spiel in den Räumen der Hochkultur ausgeschlossen sind. Es sind Menschen, die in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Kontext auf Grund von Armut, der Krankheit HIV, der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Minderheit dem Rand, der Peripherie zugeordnet werden.
Die Gruppen - bestehend aus Jugendlichen und jungen Erwachsenen - werden von professionellen Künstlern angeleitet und bewegen sich an der Schnittstelle von Kunst, Politik, Bildung und Therapie - Begriffe, die nur in der Wechselwirkung ihren Ausdruck finden. In jahrelanger Entwicklung und gemeinsamer Erfahrung haben sie alle eine eigene künstlerische Sprache gefunden und stellen durch ihre Arbeit die Zuschreibung der Marginalisierung in Frage: ohne Peripherie gibt es kein Zentrum!
 
Die Vorgeschichte
HAJUSOM! hat viel Erfahrung auf Festivals gesammelt: Seit Bestehen der Gruppe wurden verschiedene Produktionen zu namhaften Theater-Festivals eingeladen, z.B. den internationalen Maifestspielen im Staatstheater Wiesbaden und dem Afrika-Festival Foreign Affairs im Forum Freies Theater / Schauspielhaus Düsseldorf. Im Jahr 2001 ist die Gruppe Bundespreisträger des Jugendtheaterfestivals der Berliner Festspiele und wird im Jahr 2003 erneut nominiert. Trotz der Erfolge äuß die Jugendlichen ihr Unbehagen über das Rezeptionsverhalten von Publikum und Presse. In Diskussionen wird der Arbeit von HAJUSOM! mangelndes Integrationsinteresse vorgeworfen; außerdem werden die Jugendlichen mit den für sie gewohnten Zuschreibungen konfrontiert und ausschließlich zu ihrer Situation als Flüchtlinge und als in Deutschland lebende Ausländer befragt.
"Wir wollen endlich als Künstler und Menschen ernst genommen werden", so Winniefred Brown, Gründungsmitglied seit 1999.

Fortlaufende gruppeninterne Gespräche kommen zu dem Ergebnis, ein eigenes Festival zu organisieren, dessen Teilnehmer einen vergleichbaren Kampf führen: die Idee zu PLAY MAS entsteht. Die Gastgeber stellen sich die Aufgabe, ein Festival zu gestalten, bei dem die teilnehmenden Gäste - alle Gruppen kommen aus Metropolen verschiedener Kontinente - ihre Produktionen zeigen, ihre Arbeitsweisen darlegen und diese gemeinsam mit den Festivalteilnehmern zum Gegenstand der Diskussion erklären. Ein begleitender Workshop dient dazu, eine gemeinsame Abschlussproduktion vorzubereiten.
Das Konzept des Carnival als eine Metapher für das Festival und den gemeinsamen Workshop entsteht durch die Verbindung zu der in Hamburg lebenden Soziologin, Anthropologin und Carnivalistin Patricia Alleyne-Dettmers aus Trinidad, die im Anschluss an die Premiere von Die Kinder der Regenmacher ihre Mitarbeit im Projekt anbot. Sie hat den Kontakt zu Pamberi-Steelband und den namhaften Kostümdesignern und Choreografen hergestellt, unter deren Anleitung der Workshop PLAY MAS: Metamorphosis stattfindet.
Das Festival soll bereits bestehende internationale Netzwerke ausbauen: seit dem Jahr 2000 besteht zwischen M.U.K.A. und HAJUSOM! ein regelmäßiger Austausch, eine Reise zum jährlichen Vhuthihi-Festival /Johannesburg im Dezember 2004 ist geplant; seit 2003 existiert der Kontakt zu Crear vale la pena und Cybermohalla.
 
Der Workshop PLAY MAS: Metamorphosis
PLAY MAS schafft für alle Mitwirkenden einen weiteren neuen Raum: im Rahmen eines Workshops arbeiten die Jugendlichen unter Anleitung von Künstlern aus Trinidad (Pamberi Steelband und namhafte Kostümdesigner und Choreographen) zusammen. Die historisch gewachsenen Rituale des trinidadischen Carnival bilden die Grundlagen des Workshops. Dabei soll die Idee des Carnival sowohl formal als auch metaphorisch verstanden und umgesetzt werden. So wie der Carnival in seinen Ursprüngen eine Antwort auf das Herrschaftssystem des Kolonialismus war, steht Metamorphosis für eine symbolische Form globaler Befreiung, in der jenes Aufbegehren wiederbelebt wird.
Wie Sprachen, Kulturen und künstlerische Erfahrungen im Workshop aufeinandertreffen und welche Metamorphosen gemeinsam und individuell durchlebt werden, ist ein offenes Experiment.
Le monde entier se créolise. The whole world is going creole. Die ganze Welt kreolisiert sich. (Edouard Glissant, 1990)
 
Symposium: "From Tension to Metamorphosis"
Das Symposium wird sich zwei Themenbereichen widmen:
der Ausgrenzung / Marginalisierung und künstlerischen Antworten darauf
der Kreolisierung und Globalisierung am Beispiel des trinidadischen Carnival
 
1. Die Vorträge der verschiedenen künstlerischen Leiter und der jugendlichen Vertreter der Gastgruppen, die mit Hilfe unterschiedlicher ästhetischer Methoden den in ihren jeweiligen Ländern vorherrschenden sozialen Zuschreibungen und deren Folgen wie Exklusion und Marginalisierung begegnen, sind der Ausgangspunkt für die Diskussion.
2. Künstler und Theoretiker aus Trinidad (Patricia Tamara Alleyne-Dettmers, Linguistic Anthropologist; Peter Minshall, Theatrical Carnival Designer; Tony Hall, Spezialist des Trinidadian Carnival, insbesondere des Jour Ouvert) werden zu den Themen Carnival im postkolonialen Kontext von Kreolisierung und Globalisierung referieren.
 
Eine Diskussionen zum Thema Ästhetik der politischen Performance (Methoden, Arbeits- und Darstellungsweisen)schließt sich an.
Künstlerin und Wissenschaftlerin aus Trinidad & Tobago (Patricia Tamara Alleyne-Dettmers, Linguistic Anthropologist; Peter Minshall, Theatrical Carnival Designer und Artistic Director of the Callalloo Company, Tony Hall, Theatrical Director Lord Street Theater Company, Nestor Sullivan, Director Pamberi Steel Orchestra, Earl Lovelace, Commonwealth Prize Winner for Literature, werden zu den Themen "Play Mas" in Rahmen eines postkolonialen Kontexts von Identität, Unterdrückung und Neuerschaffung durch den Carnival referieren.
Die Vorträge sollen Ausgangspunkt für eine anschließende Diskussionen zum Thema Ästhetik der politischen Performance (Methoden, Arbeits- und Darstellungsweisen) sein.
Zusätzliche Referenten:
Professor Dr. John Eade, Executive Director of the Federal Center for Research on Transnationalism, Ethnicity and Multiculturalism (Cromen) UK.
Jugendliche und die jeweiligen künstlerischen Leiter der eingeladenen Gruppen.
Alain Platel, Victoria Theater Belgien, Referent und Observer (ist angefragt).
 
Zusatzveranstaltungen
Ein Konzert der Pamberi Orchestra aus Trinidad unter der Leitung von Nestor Sullivan, Director of Pamberi und The National Steel Orchestra of Trinidad & Tobago wird am Sonntag, 7. März in der Fabrik stattfinden.
Der Trinidadische Autor Earl Lovelace liest am Freitag, 12. März in der Bühne zum Hof (Goldbekhaus) aus dem Roman "The Dragon can`t Dance" sowie aus dem 1997 mit dem Commonwealth Writers' Prize ausgezeichneten "Salt".
Der Fotograf Jeffrey Chock dokumentiert seit vielen Jahren den trinidadischen Carnival. Eine Auswahl seiner Bilder wird während der gesamten Dauer des Festivals auf Kampnagel / Westflügel ausgestellt sein.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
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