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IÖI 25 02 2005
Intervention vor Othello
Wachsende Stadt Verbesserungsteam
Deutsches Schauspielhaus, Foyer Mittwoch, 23. März 2005, 19 Uhr
In fröhlicher Paraphrase der bürgermeisterlich ausgegebenen Losung von der
'Wachsenden Stadt' inszenieren die jungen Performer von 'Hajusom!' eine
Aktion gegen die drohende Abschiebung ihrer Kollegen Ibrahima und Ismael. Im
Foyer des Deutschen Schauspielhauses, vor der Aufführung des 'Othello', wird
das Theaterpublikum auf das 'Wachsende Stadt Verbesserungsteam' treffen.
Ironisch mit dem Inszenierungsstil der 'Black Panther' spielend, heisst es
am Mittwoch: 'Wachsende Stadt? Ja! Abschiebung? Nein!'
Ernster Hintergrund der Aktion: Die bizarre Zusammenarbeit der Hamburger
Ausländerbehörde mit dem menschenrechtsverletzenden Regime in Guinea. An der
Botschaft des Landes vorbei, weilt auf Einladung Hamburgs eine dubiose und
anonyme Delegation in der Stadt, um Passersatzpapiere auszustellen und damit
die Abschiebung von Hunderten von AfrikanerInnen zu ermöglichen. Auch davon
bedroht: die beiden Schauspielkollegen von Hajusom.
Was von der Hamburger Presse bisher weitgehend ignoriert wurde: in der
Ausländerbehörde spielen sich, wie die Frankfurter Rundschau schreibt,
'einzigartige Szenen ab': Rechtsanwalt Dr. Oliver Tolmein, der einen Hajusom
Performer zur Vorladung begleitete, stellt fest, dass 'die Delegation sich
wie eine Crew des Geheimdienstes gebärdet und die Interviews als Verhöre
ausgestaltet, die eine Ahnung davon aufflackern lassen, wie es in einem
autoritären Regime zugeht der Tonfall ist harsch, die
Delegationsmitglieder weigern sich strikt ihre Namen zu nennen, einige
tragen auch in den düsteren Räumen der Ausländerbehörde Sonnenbrillen.' Dem
bizarren Auftreten entspricht das Verhalten der Delegation. Tolmein: 'Auf
begleitende Anwälte reagiert die Delegation scharf und bricht das Interview
sofort ab. Die Mitarbeiter der Ausländerbehörde ziehen sich zurück und
lassen die Delegation schalten und walten, als sei die Behörde zeitweilig
exterritoriales Gebiet, eine Art rechtsstaatsfreie Zone, mit der guineischen
Delegation als Hausherren.'
Der Hamburger Senat bezahlt das ganze Verfahren, und hat die willfährige
Crew direkt in Guinea gecastet - dessen Menschrechtslage laut Auswärtigem
Amt 'gravierende Defizite' aufweist: 'fehlende Unabhängigkeit der Justiz,
Straflosigkeit für Menschenrechtsübergriffe staatlicher Stellen,
willkürliche Verhaftungen, Folter, Behinderungen der Oppositionsparteien,
kein unabhängiges Radio und Fernsehen' (www.auswaertiges-amt.de).
Die jungen Performer von Hajusom, die sich am Mittwoch im Schauspielhaus
gegen die drohende Abschiebung ihrer Ensemblemitglieder wenden, wissen die
Künstlerschaft dieser Stadt hinter sich. Damit Hamburg doch noch eine Chance
hat, von der 'Schrumpfenden Stadt' zur 'Wachsenden Stadt' zu werden, sind
weitere Aktionen und juristische Schritte IM ÖFFENTLICHEN INTERESSE in
Vorbereitung.
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