Nachtkritik 7.1.2011
Elske Brault

Der Prototyp des 21. Jahrhunderts
 
Könige sind sie für einen Abend, die 22 jugendlichen Flüchtlinge aus aller Welt, die sonst vor der Ausländerbehörde Schlange stehen für die Verlängerung ihrer Aufenthaltsgenehmigung. Sie strahlen in ihren bunten, Pailletten besetzten Kostümen, sie strotzen nur so vor Selbstbewusstsein. Anderthalb Stunden lang haben sie das Publikum durch alle Stationen eines klassischen indischen Dramas geführt. Es gehe um Rasa, hat die Choreografin Varsha Thakur erklärt: "Rasa ist der Saft, 'the essence'. Wir, die Performer, tanzen und spielen, und ihr bekommt den Saft." Das ist offensichtlich gelungen: Am Ende springen die Zuschauer von den Stühlen und rufen "Zugabe!". Und noch einmal tanzen die Darsteller mit Hände-Klatschen und Füße-Stampfen jene simple und doch so effektive Bollywood-Performance, die uns zu Beginn mitgerissen hat in eine exotische, sentimentale Traumwelt. (...)
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