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Hajusom - transnationale Kunst
In Hajusom wachsen sie ineinander, die kommen von anderen Kontinenten und treffen sich an einem Ort.
Maimuna Kamara, Sierra Leone
Ein utopischer Raum
Seit 1999 gibt es diesen Ort 'Hajusom' in Hamburg, wo vornehmlich minderjährige und junge erwachsene Flüchtlinge und Migranten aus unterschiedlichsten Herkunftsländern sich treffen, um gemeinsam zu arbeiten. Viele von ihnen kommen aus dem westlichen Afrika, andere aus Afghanistan, dem Iran, aus Syrien, Algerien und anderen Krisen- und Kriegsgebieten.
Hajusom als ein transnationales Kunstprojekt bringt Menschen zusammen, die aktive Bürger einer komplexen, globalisierten Welt sind und die ihre individuellen Landkarten in sich tragen. Sie sind Protagonisten, die den nationalen Blick umkehren mussten und in ihrem neuen Leben, das sie hier beginnen, Migration als eine zentrale Kraft gesellschaftlicher Veränderung sichtbar machen - auch, indem sie ihre Erfahrungen als Künstlerinnen und Künstler umsetzen und öffentlich in verschiedenen Formaten präsentieren: in Theater-Performances, Video- und CD-Produktionen, Rauminstallationen und Texten.
Hajusom hat sich seit seinem Bestehen im Rahmen von teilweise mehrjährigen Kunst- und Rechercheprojekten der Thematik von Flucht und Migration in Zeiten der Globalisierung gewidmet; dabei versteht sich das Projekt als eine künstlerische Stellungnahme, die im Konfliktfeld aktueller Migrationspolitik zu intervenieren versucht. Hajusom ermöglicht seinen Akteuren, eine eigene Sprache zu entwickeln, die ihre Erfahrungen, ihr Wissen und ihre Träume transportieren kann, und möchte ihnen so ein Mittel in die Hand geben, sich über die Beschäftigung mit Kunst von gesellschaftlichen Zuschreibungen zu befreien und soziale Exklusion zu überwinden. Außerdem werden bei der gemeinsamen Arbeit mit unterschiedlichen Formen der Kunst auch Kommunikationsformen erforscht und entwickelt, die exemplarisch für die Prozesse in einer sich im Umbruch befindenden Welt stehen, in der nationale Grenzen an Bedeutung verlieren.
Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass sich unsere Identität grundlegend verändern wird im Kontakt mit dem Anderen., so wie seine Identität sich verändern wird im Kontakt mit uns, ohne dass sich der Eine oder Andere denaturiert und sich in einem multikulturellen Magma auflöst. (Edouard Glissant)
Arbeitsformen im Künstlerkollektiv
Die Arbeitsformen, die sich bei Hajusom herausgebildet haben, sind ein sich beständig fort entwickelndes Experimentieren mit dem Anspruch, Entscheidungen gemeinsam - als Kollektiv zu treffen. Für die drei professionellen Künstlerinnen, die das Projekt als Team leiten, bedeutet das, dass nicht sie für die Flüchtlinge und Migranten sprechen, sie repräsentieren, sondern mit ihnen Formen einer gemeinsam Präsentation suchen, um die Schnittstellen zu finden zwischen ihrer künstlerischen Erfahrung - einer langjährigen Verbundenheit mit der Tradition des Performance-Theaters -, den Fähigkeiten und Interessen der Menschen, die zu Hajusom kommen sowie der Notwendigkeit, politisch zu arbeiten.
In der konkreten Umsetzung bedeutet das, jede neue Produktion konzeptuell mit den Beteiligten zu besprechen, weiter zu entwickeln und in regelmäßigen Feedbackrunden dafür Sorge zu tragen, dass Alle den künstlerischen Prozess begreifen und mit gestalten können. Dabei ist die Reflexion der politischen Dimension wichtiger Bestandteil der inhaltlichen Debatte, aktuelle Vorkommnisse der deutschen und europäischen Asylpolitik werden diskutiert und teilweise einbezogen bzw. diejenigen in der Gruppe, die etwa von Abschiebung bedroht sind, durch gezielte öffentliche Aktionen unterstützt.
Die künstlerische Leitung ist sich bewusst, dass nur über ein kontinuierliches Angebot ein solch intensiver Diskurs geführt und profesionelle Produktionen realisiert werden können. Hajusom arbeitet deswegen das Jahr hindurch, und nur auf diese Weise konnte es gelingen, eine Gruppe aufzubauen, deren Kern regelmäßig trainiert, über große Bühnenerfahrung verfügt und sich darüber hinaus neben der Form des Performance-Theaters mit verschiedenen anderen Kunstformen beschäftigt hat.
"gib mir mein herz zurück" - dieses unsägliche schwülstige lied, zum zeitpunkt der aufführung von "E 44" in den charts, auf 15 sehr verschiedene weisen virtuos interpretiert, so unterschiedlich, wie die 15 darstellerInnen, wie die einzelnen personen, wie hajusom. selbstironie, trockener humor, wo die sprache nicht die hauptrolle spielt, sondern bewegung, gesten, tanz und die persönlichkeit der einzelnen. kein aufführungsstress wird sichtbar - auf der bühne wird nebenbei gekocht ("die kinder der regenmacher") - chill-out bei hoher konzentration - ungewohnt im theater und glamourös. das ist für mich das geheimnis von hajusom: bei den treffen, wo training, proben, socializing, ineinander gehen, wo - wie nebenher - dramatische "flüchtlingsprobleme" angegangen werden, wo antirassistische arbeit stattfindet, um die kein aufhebens gemacht wird, wo für jede einzelne person geschaut wird, was in ihr steckt und stecken könnte, wo jeder künstlerisch, intellektuell gefordert, aber auch in ruhe gelassen wird, wo es immer ein aufführungsziel gibt, auf das hingearbeitet wird - gleichberechtigt, unter künstlern, in loungiger athmosphäre.
Margit Czenki, Park Fiction / Hamburg, im Februar 2004 -
kooperierende bildende Künstlerin bei Kosmos Hamburg und Kosmos 2, einer Recherchearbeit in der Hajusom die urbanen Mikrokosmen der Ensemblemitglieder mit Videofilmen, Texten, eigenen Musikstücken, einer bespielten Rauminstallation und einer imaginären Stadtführung in den Räumen eines Bunkers dokumentierte.
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