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Das Gender Ding/Hajusom

Die Theatergruppe Hajusom in nicht IRGENDEINE Theatergruppe. Sie besteht aus Flüchtlingen aus aller Welt, die in Hamburg gelandet sind. Sie feiern einen Erfolg nach dem anderen und das seit 15 Jahren. Jetzt aber präsentiert sich der Hajusom-Nachwuchs. NEUE STERNE nennen sich die Theater-Newcomer, die gestern erstmals zusammen auftraten. Das dann gleich auf Kampnagel. Und mit einem sehr vielschichtigen Thema - das Gender-Ding heißt ihre Show. Mehr von Johanna Lepére.

 

Nur einer in der Truppe ist älter als 20. Farzad Fadai, der vor Jahren aus dem Iran nach Hamburg gekommen ist. Er erinnert an eine Kollegin, die an diesem Abend nicht auftreten darf. Weil ihre Brüder es verboten haben.

Bühnenton: Wir widmen die Show an sie. Und an alle, die aufgrund ihres Geschlechts nicht frei über ihr Leben entscheiden. Ladys and Gentlemen: Das Genderding! (Applaus)

 

Farzad stand schon of auf der Bühne, erzählt Regisseurin Dorothea Reinicke.

 

Dorothea Reinicke: Und er war ein Mensch, der für diese Gruppe extrem wichtig war, er hat ihnen auch vermitteln können, dass dieses Projekt sozusagen in Ordnung ist.

Klaviermusik beginnt.

 

Das Thema ist heiß, gerade für die jungen  Flüchtlinge aus Westafrika, dem Iran und Afghanistan, die hier mitmachen. Es geht um die Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen. Um Gebote, Abhängigkeiten und: Kleiderordnungen. (Musik steht eine Sekunde frei.) Das Ensemble tritt dabei von Anfang an selbstbewusst und in frechem Outfit auf. Zunächst mit Nylonstrumpfhosen, Herrenhemden und Krawatten. (Musik steht eine Sekunde frei) So vollführen die 14 Jugendlichen Ballettbewegungen - und gekonnt.

 

Ballettmusik steht der Sekunden frei.

 

Dann eine Unterbrechung: Ein Junge kommt von der Seitenbühne, in der Hand - ein Nylonstrumpfhose.

 

Bühnenton: Das ist eklig, das ist peinlich, das ist ekelhaft, ich weiß, gar nicht, wie das die anderen machen konnten.

 

Solche Auftritte waren zu Beginn der zweijährigen Probenphase üblich. Dorothea Reinicke und Co-Regisseurin Katharina Oberlik begegneten den Jungen mit Umsicht.

Dorothea Reinicke: Wir haben denen ein paar Bilder gezeigt von den Westeuropäisch gedrillten Westkörpern, wo es für die Tänzer normal ist, diese Strumpfhosen anzuhaben...

 

Videoeinspielung, Rufe afghanischer Frauen

 

Auch die politische Dimension der Geschlechter-Frage wird behandelt. Ein Filmausschnitt zeigt aufgebrachte Frauen in Burkas, die für ihre Rechte demonstrieren. (Einen Moment steht der Videoton frei) Dann wird das Thema Ungleichbehandlung auch auf der Bühne aufgegriffen.

 

Bühnenton: Man erlaubt Frauen in Afghanistan zum Beispiel nicht, Schauspielerin zu werden, das wird als Schande betrachtet...

 

Kritisch wird das "Gender-Ding" in dieser Aufführung verhandelt. Aber auch mit viel Humor Etwa wenn ein Mädchen sich in einen Macho verwandelt, der nur den Satz "Ey, wo sind die bitches" beherrscht. (Musik steht ganz kurz frei, läuft dann weiter) Und wunderbare Musik ist außerdem zu erleben. Derya Yildirim ist live auf der Bühne und begleitet sich selbst am Saz.

 

Musik steht frei.

 

Schön sind diese musikalischen Einlagen. Und anrührend ist vieles an diesem Abend. So die Szenen, in denen die Jugendlichen vorführen, wie sie selbst geworden wären - als Vertreter des anderen Geschlechts.

 

Bühnenton Männerstimme: Ich hab schöne Kleider. Und Abitur mit Notendurchschnitt 1,0!

 

Es gab begeisterten Applaus nach dieser Aufführung. Die neuen Stern, egal ob weiblich, männlich oder dazwischen - leuchten hell.

 

Elisabeth Burkhardt

 

 

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NDR 90,3, 25.04.2014