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Hamburger Morgenpost - 26.02.2005

Kampnagel-Projekt bedroht

Akteure werden abgeschoben


18. Mai, Kampnagel: Der nächste Premierentermin von "Hajusom!" steht schon fest. Ob das Projekt jemals zur Aufführung kommen wird, ist aber fraglich. Denn zwei Akteure der Theatergruppe sind plötzlich ganz akut von der Abschiebung bedroht.
 
"Hajusom!" machen seit Jahren mit jugendlichen Flüchtlingen genreübergreifende Bühnenarbeiten, die international Anerkennung finden. Letztes Jahr organisierten sie auf Kampnagel das "Play Mas Festival of Young Performers", das von der Kulturstiftung des Bundes gefördert wurde.
 
Doch Ibrahima Bah (20) und Ismael Nabe (19) müssen am Montag bei der Ausländerbehörde vorsprechen. Eine Delegation aus ihrem Heimatland Guinea wird dort in großem Schwung - es soll sich um mehr als 100 Betroffene handeln - Passersatzpapiere ausstellen. Die Duldung der Ausländerbehörde ist damit in Gefahr, die Abschiebehaft eine reale Aussicht.
 
Beide sind seit fast fünf Jahren in Hamburg, und maßgeblich an dem "Hajusom!"-Projekt beteiligt. Für das neue Stück "Holiday Inn" recherchieren sie gerade über Einwanderer in Hamburg in den vergangenen Jahrhunderten. "Rechtswidrig" sei die nun anstehende Maßnahme der Ausländerbehörde, sagt einer ihrer Rechtsanwälte. Der Flüchtlingsrat Hamburg befürchtet gar, die Hansestadt entwickle sich mehr und mehr zu einer "Drehscheibe politischer Abschiebung".
 
Nun hat sich ein Unterstützerkreis gebildet, der einen Appell an Bürgermeister Ole von Beust richtet, gegen diese Abschiebungen einzuschreiten. Zu den Erstunterzeichnern gehören Tom Stromberg, Jan Delay, Rocko Schamoni, Feridun Zaimoglu und René Pollesch. Am Montag findet um 15 Uhr vor der Ausländerbehörde eine öffentliche Probe von "Hajusom!" zusammen mit Showcase Beat Le Mot statt.

Heiko Kammerhoff

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Hamburger Morgenpost - 26.02.2005: Kampnagelprojekt bedroht